[Korruption auf den Philippinen] HOW TO STAND UP TO A DICTATOR - Deutsche Ausgabe #22/128

Er war von Cory Aquino ernannt worden und hatte unter ihr das Militär angeführt, nachdem er geholfen hatte, seinen Cousin Ferdinand Marcos zu stürzen. Unter seiner Führung blühten die Philippinen auf und wurden zum »asiatischen Tiger«, dem damaligen Leitbild in der Region. Trotz all ihrer Streitigkeiten mit dem Militär hatte Aquino den Philippinen eine Chance auf Stabilität und Wohlstand gegeben.

Es waren Jahre der Arbeit und der Selbstfindung. Ich tanzte auf zwei Hochzeiten, als Regisseurin und Produzentin von Probe und als Reporterin und Büroleiterin für CNN Manila. Ich führte Regie bei Cheches Dreharbeiten und absolvierte anschließend meinen eigenen Live-Bericht. Dann schrieb und bearbeitete ich ihren zwanzigminütigen Beitrag, bevor ich schließlich wieder meinen CNN-Bericht verfasste, aufnahm und editierte. Die Arbeit begann um acht Uhr morgens. Um 21 Uhr ging ich meist zum Abendessen aus und zog dann bis mindestens zwei Uhr in der Früh durch die Clubs – wer brauchte schon Schlaf? Regelmäßig dehnte ich die vierundzwanzig Stunden des Tages aus. Das waren meine glorreichen Zwanziger – ich wollte keinen Augenblick vergeuden.

Ich vermisste Theater und Musik, also begann ich, zusätzlich zu allem anderen, Konzerte zu dirigieren. Eines der größten fand im Music Museum in Manila statt, mit einigen der besten Sängerinnen und Sänger der damaligen Zeit: Janet Basco, Jose Mari Chan und Ariel Rivera. Zu jener Zeit begann ich, meine Sexualität zu erforschen. Auch das musste ich irgendwie in meinen Zeitplan einbauen.

Als ich auf die dreißig zuging, wurde die Ehe zu einem Thema; auf den Philippinen gilt man als alte Jungfer, wenn man bis dahin nicht verheiratet ist. Bei CNN hatte ich das Beste aus beiden Welten, denn man gewährte mir Heimaturlaub, sodass ich jedes Jahr eine Woche in der Zentrale in Atlanta und einen Monat in den Vereinigten Staaten verbringen konnte. Während einer dieser Reisen traf ich meinen Highschool-Freund wieder und begann eine neue Beziehung. Er kam nach Manila und lebte ein paar Monate bei mir. Aber als er mich fragte, ob ich ihn heiraten wolle, war ich damit vollkommen überfordert.

Ich wusste, dass etwas nicht stimmte. Der Heiratsantrag, mein Alter und die Erwartungen der Gesellschaft an Frauen setzten mich unter Druck. Am einfachsten wäre es gewesen, Ja zu sagen; mein Freund war bereit, nach Manila zu ziehen, und wir hatten eine gute Beziehung. Aber mir wurde klar, dass ich Sex und Liebe voneinander getrennt hatte. Ich war nicht verliebt. Ich wusste nicht einmal, was das Wort bedeutete.

Vielleicht lag es daran, dass ich bis zu diesem Zeitpunkt mit aller Kraft versucht hatte, der Verrücktheit der Liebe auszuweichen. Zu viel war über ihre Macht und irrationale Wirkung geschrieben worden. Ich hatte gesehen, wie sich Freunde in ihr verloren, und sie erschien mir zu gefährlich und unberechenbar. Ich vermied es, mit ihr in Berührung zu kommen.

Also wählte ich Beziehungen, die ich kontrollieren konnte, was im Widerspruch zu dem Kontrollverlust stand, den die Liebe offenbar verlangte. Zumindest war ich mir darüber im Klaren, dass ich Liebe erfahren wollte. Und ich wusste auch, dass ich, wenn ich erst einmal verheiratet wäre, nicht mehr jenen unbeantworteten Fragen nachgehen könnte, vor denen ich mich bislang verschlossen hatte.

Twink und ich hatten uns in unseren Karrieren und Beziehungen immer gegenseitig unterstützt, und nun half sie mir auch an diesem Scheideweg.

»Liebst du ihn?«, fragte sie.

»Ich weiß es nicht.«

»Die Antwort sollte einem leichtfallen«, entgegnete sie. »Wenn nicht, dann liebst du ihn nicht. Lass dich von niemandem unter Druck setzen, etwas zu tun, was du nicht tun willst.«

Die wichtigste Wahl im Leben betrifft den Menschen, mit dem man es verbringen will. Die Werte und Entscheidungen dieser Person beeinflussen einen, wenn man sich selbst erschafft, wenn man die wichtigsten Entscheidungen darüber trifft, wer man ist.

Also sagte ich Nein zur Ehe, und das war schmerzhaft. Ich verlor einen langjährigen Freund. Wenn er mich nicht gefragt hätte, ob ich ihn heiraten wolle, hätten wir es womöglich länger miteinander ausgehalten, aber der Antrag war ein Auslöser. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits mehrere Beziehungen mit Männern hinter mir, aber ich hatte mich nie verliebt. Das geschah erst bei meiner ersten Freundin, als ich 30 Jahre alt war. Vielleicht dauerte es so lange, weil ich mich bis dahin geweigert hatte, verletzlich zu sein. Oder vielleicht, weil ich lesbisch bin.

Als ich schließlich mit einer Frau zusammenkam, erschütterte das meine Welt. Sie war eine hübsche, attraktive Sängerin mit einem kleinen Grübchen und hatte Computerwissenschaften studiert. Keine von uns beiden war jemals mit einer Frau zusammen gewesen, aber wir ließen uns aufeinander ein.

Zunächst musste ich mir einige grundlegende Fragen stellen: Wie kleidet man sich für ein Date? Anzug oder Kleid und Strümpfe? Oder Jeans und ein Hemd? Lippenstift oder nicht? Was macht man mit den Geschlechterrollen?



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