[Korruption auf den Philippinen] HOW TO STAND UP TO A DICTATOR - Deutsche Ausgabe #20/128

»Wenn also jemand kommt und sagt, dass wir einen Beitrag nicht senden können oder einen Beitrag vorab sehen will, dann gleicht das für uns einem Maulkorb für unsere Pressefreiheit … Und wir werden niemals, niemals, niemals akzeptieren, dass uns irgendjemand einschüchtert, ganz gleich, wer es ist.«

Die Worte von Cheche aus jenem Jahr sind für mich auch heute noch gültig und gewinnen im gegenwärtigen Augenblick der Vergangenheit noch mehr an Bedeutung. Lass dich niemals, niemals, niemals von jemandem einschüchtern, ganz gleich, wer es ist.

Sosehr ich mich auch mit dem Thema Ost und West herumschlug, nutzten wir doch die Macht beider Welten, um Probe auf den Weg zu bringen. Im Jahr 1988 erhielt das Unternehmen einen großen Auftrieb: einen kommerziellen Vertrag mit CNN.

Gary Strieker, Leiter des CNN-Büros in Nairobi, suchte jemanden zur Berichterstattung in Manila und lud Cheche zu einem Kameratest und einem Vorstellungsgespräch ein. Damals war CNN sieben Jahre alt, gehörte nicht zu den drei großen US-Sendern und war gerade dabei, sich einen Namen zu machen. Cheche bat mich, sie zu begleiten, was ich auch tat, und Gary schlug mir vor, mich ebenfalls zu bewerben. Ich zögerte und erklärte, dass ich keine Erfahrung mit der Kamera hätte, aber Cheche überzeugte mich, den Kameratest zu machen. Dann setzte sie sich mit mir hin und coachte mich. Ich bekam den Job.

Vor der Kamera zu stehen ist die unnatürlichste Art, natürlich zu sein. Als ich das Ganze genauer betrachtete, schien es mir, als brauchte man dafür eine arrogante Fassade; die erforderliche Sprechweise bei Nachrichtensendungen war ganz anders als die, die ich als Mensch pflegte. Ohne diese Fassade fehlten meinen Beiträgen jedoch Energie und Autorität. Nach meiner ersten Live-Reportage rief mich mein Chef aus Atlanta an und sagte mir, ich sähe zu jung aus und meine Stimme sei zu hoch. Seine Lösung: einen Anzug tragen, Make-up auflegen und Brandy trinken, um die Stimme zu senken. Ich glaube, die ersten paar Male war ich schon betrunken, bevor ich meinen Auftritt überhaupt beendet hatte.

Am Anfang war ich furchtbar. Ich war überzeugt, dass CNN mich nur eingestellt hatte, weil ich einen amerikanischen Akzent hatte und wenig kostete. Ich fing als freiberufliche Reporterin an, während ich noch bei Probe arbeitete – eine Win-win-Situation für beide Seiten und sicherlich ein großer Erfahrungsgewinn für mich.

Aber es war mehr als das. Was man tut, prägt den Menschen, zu dem man wird. Nichts hat meine Persönlichkeit – oder meine Fähigkeit, Bedrohungen zu widerstehen – mehr geformt, als Fernsehjournalistin zu werden und zu lernen, die Fassung zu bewahren, wenn ich live auf Sendung bin oder sogar buchstäblich unter Beschuss stehe. Das wurde zu meiner Superkraft. Wenn man beim Fernsehen in Panik gerät, kann man einen Beitrag nicht aufzeichnen, und wenn man live berichtet, ist eine Sekunde ein ganzes Leben. In späteren Jahren griff ich oft auf diese Fähigkeiten zurück: meine Emotionen zu unterdrücken, ruhig zu bleiben und eine Geschichte in drei Aufzählungspunkten zusammenzufassen. Wie ein Muskelgedächtnis helfen mir diese Kompetenzen, eine Krise nach der anderen zu überstehen.

Bei CNN wurde mir auch klar, dass es schwieriger ist, sich an Ideale zu halten, wenn man tatsächlich etwas zustande bringen muss. Einmal erhielt ich für die Dreharbeiten eine Lieferung großer, sperriger U-matic-Videokassetten, die für etwa sechs Monate reichten. Als ich sie abholen wollte, verlangte einer der Zollbeamten ein Schmiergeld. Ich lehnte ab. Doch als aus Wochen Monate wurden, begann der Druck, die Bänder tatsächlich zu beschaffen, meine persönliche Leistung zu beeinträchtigen. CNN wollte, dass ich alles Nötige unternahm, um die Bänder zu besorgen, hätte mir aber niemals die offizielle Erlaubnis erteilt, ein Schmiergeld zu zahlen – nach dem Foreign Corrupt Practices Act (FCPA) ist es für ein amerikanisches Unternehmen illegal, Bestechungsgelder an ausländische Beamte zu entrichten. Normalerweise beauftragen amerikanische Unternehmen stattdessen eine Mittelsperson, die sich um derlei Angelegenheiten kümmert.

Trotzdem weigerte ich mich, zu zahlen. Ich bin da sehr stur. Ich wollte kein Auge zudrücken; es ging ums Prinzip, oder nicht?

Also blieben die Bänder beim Zoll. Es vergingen fast anderthalb Jahre, und Cheche musste sich einschalten, bis wir endlich in den Besitz der Bänder kamen, ohne Schmiergeld zu zahlen. Das war das erste Mal, dass ich dachte: Wozu braucht man ein Gesetz, wenn man sich nicht daran halten kann? Wenn eine Demokratie überleben soll – wenn eine Medienorganisation die Tücken der Korruption überleben soll –, bedeutet das dann, dass jedes Mal Grenzen gezogen werden müssen, dass jedem einzelnen Angriff auf die Wahrheit getrotzt werden muss?

Im Dezember 1989 unternahm das Militär seinen siebten Putschversuch gegen Präsidentin Aquino. Die vorangegangenen Putschversuche hatten bereits eine unheilige Allianz zwischen Marcos-treuen Soldaten und jenen offenbart, die einst geholfen hatten, seine Herrschaft zu beenden.



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